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Butterboehnchen
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 13.01.2008
Beiträge: 12
Alter: 43
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 13.01.2008, 22:59    Titel: Herz vs. Kopf... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo zusammen Smilie
nachdem ich hier schon seit geraumer Zeit mitlese, möchte ich mich nun gern mit meiner eigenen Geschichte einklinken und hoffe auf ein wenig Unterstützung/ Hilfe...
Bin seit neun Jahren mit meinem (Ehe-)Mann zusammen, der ein Alkoholproblem hat. Neben seinem relativ hohen tägl. Bierkonsum (4-6 Flaschen) kommt es alle 3-6 Wochen zu einem Absturz mit Bier und Wein oder Schnaps und verbalen Aggressionen.
Das ist seit ca. 14 Jahren so. Weil wir uns im ersten Jahr unserer Beziehung nur an den Wochenenden sahen, und weil rosa Brillen sehr dicke Gläser haben, fiel es mir aber erst auf, als wir zusammen lebten.
Über die Jahre kam es immer wieder zu Diskussionen, Streit, Tränen, Drohungen, Versprechen, Trinkpausen... Ihr kennt das.
Er selbst verleugnet das Problem total. Wenn er "mal einen über den Durst" trinkt, gibt es dafür immer Gründe und Schuldige - meistens mich.

Im Herbst letzten Jahres erreichte ich nach einem dreitägigen Komasaufen meine Schmerzgrenze, kündigte meinen Auszug an, suchte und fand für mich und meine 18jährige Tochter eine Wohnung, in die wir im Februar einziehen wollen...
In den folgenden Wochen - und bis heute - schraubte er seinen Konsum deutlich runter (oder trinkt heimlich?), ist liebevoll, fürsorglich und bemüht, lehnt professionelle Hilfe aber weiterhin ab.
Ich besuche seit letztem Herbst regelmäßig eine SHG, die mir - wie mein Kopf - immer wieder bestätigt, dass meine Entscheidung zu gehen, richtig ist...
Aber das Herz schreit laut um Hilfe und rüttelt an diesem Entschluss. Ich Tölpel liebe diesen Mann noch immer sehr! Und das Gefühl, das mich beherrscht, heißt Angst...
Angst, die Entscheidung (über die sich mein Kind natürlich sehr freut!) aus Schwäche wieder umzuwerfen; Angst, die Entscheidung aber vielleicht doch zu früh getroffen zu haben; Angst, ihn ins Unglück zu stürzen und Angst davor, selbst noch unglücklicher zu werden...
ich fühl mich wie in einem Hamsterrad und weiß es nicht anzuhalten... Traurig
Bin für alle Kommentare, Ratschläge, Hinterntritte dankbar !!!!!!!
Liebe Grüße, Butterboehnchen
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Butterboehnchen hat zum Thema: Herz vs. Kopf... geschrieben
us2305
Gast






BeitragVerfasst am: 13.01.2008, 23:19    Titel: Re: Herz vs. Kopf... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Ich seit fast 33 Jahren mit einem Alkoholiker verheiratet. Mir ging es wie dir. Am Anfang habe ich die Alk-abhängigkeit auch nicht erkannt. Als ich es bemerkt habe, wurde mir gedroht, er würde mich und das Kind umbringen. Unser Sohn ist 31 Jahre und in seinen Augen ist sein Vater ein Asozialer. Mein Sohn und ich, wir haben uns immer geschämt, wenn Besuch kam. Wir schämen uns auch heute noch. Die Aggressionen wurden von Tag zu Tag schlimmer. Ich habe heute vor jeder Bewegung, die er macht Angst und erschrecke. Seine Niederträchtigkeiten werden von Tag zu Tag gemeiner. Er ist 54 Jahre und seit fast 2 Jahren in Rente. Er hat sich regelrecht kaputt gesoffen. Die Bauspeicheldrüse ist kaputt, Magen, Herz, Leber, alle Innereien sind angegriffen - aber er ist jeden Tag voll bis zum Rand. Wenn du auch denkst du liebst deinen Mann, das ist keine Liebe, das ist der Alltag, er gehört zu deinem Alltag, zu deinem Leben. Ich geb dir einen Rat, nimm die neue Wohnung, fang ein neues Leben an und such dir irgendwann einen Mann, der dich in die Arme nimmt und mit dem du wieder lachen kannst. Mit diesem Mann wirst du eines Tages nicht lachen. Da wirst du jeden Tag weinen, und du wünschst dir, dass alles vorbei wäre. Ich bin 52 Jahre und schlafe seit 12 Jahren nicht mehr mit meinem Mann und auch nicht mehr in dem gemeinsamen Schlaf-zimmer. Alle Versprechungen waren für die Katz. Irgendwann baust du eine Mauer um dich und es ist dir egal, was mit ihm geschieht. Er ändert sich nie, glaub es mir. Wage den Absprung, es wird dir danach besser gehen. Ich drück dir und deiner Tochter beide Daumen und wünsche euch alles Glück der Welt.
us2305
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us2305 hat zum Thema: Re: Herz vs. Kopf... geschrieben
frau
neuer Teilnehmer



Anmeldungsdatum: 17.04.2006
Beiträge: 78

BeitragVerfasst am: 14.01.2008, 08:21    Titel: Re: Herz vs. Kopf... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

hallo butterboehnchen!

herzlich willkommen!

du hast ja nun schon die ersten schritte hinter dir.das ist gut so.
mit deiner entscheidung auszuziehen und die situation nicht weiter zu erdulden habt ihr ja beide die möglichkeit an euch zu arbeiten.

es ist ja trozdem offen ob ihr irgendwann wieder zueinander findet.

ich würde sagen er hat nun die möglichkeit dir zu beweisen, das er sein leben in den griff bekommt und sich auch dauerhaft ändern kann. vieleicht erkennt er auch das es ohne prof.hilfe nicht geht.
auch du und deine tochter könnt zur ruhe kommen und gesund werden.
das bisherige leben hat sicher auch wunden bei euch hinterlassen.
wenn er sein leben nicht in den griff bekommt bist du in einer eigenen wohnung auf jeden fall auf der besseren seite.

wenn du nun einknickst wird bald der alte zustand wieder da sein.

viel kraft und liebe grüße frau
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frau hat zum Thema: Re: Herz vs. Kopf... geschrieben
Butterboehnchen
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 13.01.2008
Beiträge: 12
Alter: 43
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 14.01.2008, 17:48    Titel: Re: Herz vs. Kopf... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Ihr beiden und vielen Dank für Eure offenen Antworten!!!!!!!!!!!!
Ich bin so wankelmütig und schwach derzeit, dass ich denke, ich brauch täglich einen Schubs in die Richtung, von der ich schon länger weiß, dass sie stimmt.... aber immer wieder diese Zweifel Traurig ein Kampf gegen Windmühlen...
@ us2305: Deine Geschichte hat mich tief getroffen! Seit über 30 Jahren machst Du das mit?? Was tust DU für DICH? Hast DU schon eine Trennung in Erwägung gezogen? Besuchst Du eine SHG, machst Therapie o.ä.?
Hab neulich mal folgenden Satz eines Psychologen gelesen: "Das Leben mit einem Alkoholiker ist die Hölle auf Erden und die Intensität der psychischen Belastung vergleichbar mit einem längeren Aufenthalt in einem Kriegsgebiet."
Dem ist nix hinzuzufügen... ich bin auch erschüttert darüber, wie hoch meine Schmerzgrenze angesiedelt ist, denn zu dem - wenn auch nicht täglichen - Saufen kommen ja noch die Begleiterscheinungen, die Du auch anschneidest... Sozialer Rückzug des Partners und evtl. der Freunde etc.
@frau: Danke nochmal für die klugen, aufbauenden Worte !
für heut´liebe Grüße... Butterboehnchen
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Butterboehnchen hat zum Thema: Re: Herz vs. Kopf... geschrieben
Marjel
Gast






BeitragVerfasst am: 14.01.2008, 21:09    Titel: Re: Herz vs. Kopf... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Butterboehnchen,
ich war auch lange wankelmütig und habe mich schließlich getrennt. Dadurch konnte ich ein wenig zur Ruhe kommen. So weiternmachen wie bisher war einfach keine Alternative. Ich habe zu sehr darunter gelitten. Und wenn wir so weitergemacht hätten, hätte er auch keine Chance gehabt, denn ich hab das Leben ja immer so angenehm wie möglich gemacht, so dass er mit den Folgen nicht konfontiert wurde.
Aber ich war immer inkonsequent, habe gegen meine Überzeugung gehandelt, um des Friedens Willen, Ultimatum gesetzt und nicht daran gehalten, also hat er mich nie ernst genommen. Das ist bis heute so. Er akzeptiert die Trennung nicht und ich eier rum, indem ich immer wieder auf seine telefonate reagiere und ihn ab und an sehe.

Ich hätte mich besser selbst ernst genommen. Wie soll einen der Partner enst nehmen, wenn man es selbst nicht tut.

Vielleicht gelingt es Dir ja besser!
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Marjel hat zum Thema: Re: Herz vs. Kopf... geschrieben
Butterboehnchen
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Weiblich
Anmeldungsdatum: 13.01.2008
Beiträge: 12
Alter: 43
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 20.01.2008, 17:39    Titel: Re: Herz vs. Kopf... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Marjel,
genau das befürchte ich auch: das - wenn ich den Auszug wirklich packe- Wankelmut und Inkonsequenz trotzdem bei mir bleiben und ich, aus Sehnsucht und/oder Sorge, immer noch nicht loslassen kann...
Hat sich denn bei Deinem Mann durch die räumliche Trennung etwas geändert - macht er konkrete Schritte Richtung Trockenheit??
Meiner trinkt nach wie vor- aber seit dem letzten gr0ßen Knall (vor3 Monaten) nur noch 1-2 Flaschen am Tag. Er will mir beweisen, dass er es ohne professionelle Hilfe schafft...
Währenddessen rückt das Ende des Ultimatums, das er nicht wirklich ernst nimmt ( warum auch, bisher habe ich nie Taten folgen lassen) und mein Umzug immer näher - die Unsicherheit bleibt... was ist, wenn er recht hat?
Habt Ihr schon mal von jemandem gehört, dem es gelungen ist ?????
Grübelnde aber liebe Grüße Geschockt
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Butterboehnchen hat zum Thema: Re: Herz vs. Kopf... geschrieben
klaro
neuer Teilnehmer


Geschlecht: Geschlecht:Männlich
Anmeldungsdatum: 06.01.2007
Beiträge: 287
Wohnort: Borken

BeitragVerfasst am: 20.01.2008, 21:36    Titel: Re: Herz vs. Kopf... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo butterböhnchen

Halte das ein was du ihm gesagt hast. Mache wahr und ziehe erst mal aus der wohnung aus. Wirst du jetzt unglaubwürdig, so hat er dich wieder da, wo er dich wollte. Räumliche trennung heisst nicht, das es trennung für immer ist, sondern sich jeder gedanken machen soll, was er für sich möchte.
Das er konntroliert trinken kann, ist irrglaube und ohne hilfe kommt er aus seiner sucht nicht heraus.
Was glaubst du, wie viel male ich meine frau mit so hohlen versprechungen wieder auf meine schiene bekommen habe. Dadurch hat sich unser leiden nur verlängert. Dein mann muss saufen, denn ohne den alk würde er nicht funktionieren. Das er seinen alskoholkonsum auf täglich 1-2 flaschen heruntergeschraubt hat kommt mir als ehemaliger spritkopf sehr bekannt
vor, denn das machte ich auch und hielt es auch einige zeit durch. Nur soff ich danach um so mehr, weil ich alles wieder nachholen musste.
Mache dinge die du gerne machen würdest und lasse ihn seine sauferei. Du kannst noch so viel tun, aber du wirst ihn nicht von der pulle bringen können.
Meinte er es ehrlich mit sich, so würde er ohne zu fragen was dabei herauskommt, den weg gehen, den jeder alk geht will er aufhören und der ist; zum arzt und dort über sein problem reden, dann zur suchtberatung und sich informationen holen. Dort wird durch gespräche mit ihm festgestellt was sinnvoll für ihn wäre. Dies kann ambulante oder stationäre thera sein.
Das nächste schritt ist eine SHG aufzusuchen, denn dort sitzen die leute die den weg aus der sucht geschafft haben.
Will er das nicht so muss er eben noch weiter saufen, bis er bereit ist den weg ohne wenn und aber zu gehen.
Dabei musst auch du deinen weg gehen und wissen was du willst. Alkoholismus ist eine familienkrankheit, denn der eine säuft ihn und der andere hat ihn im kopf. Denn es dreht sich alles um den betroffenen. . Alle Versuche, den Abhängigen "trocken zu legen", scheitern aber. Was bleibt, sind Enttäuschung, Empörung, Wut,, sind Enttäuschung, Empörung, Wut, Verzweiflung, Hass, Schuldgefühle, Frust, Hilflosigkeit,Trauer, Leid, das Gefühl der Ausweglosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Isolation, und vergisst sich dabei.

Lass ihn sein ding machen und mach du was für dich, denn für deine zufriedenheit bist du verantwortlich und nicht dein mann. Das alles musst du aushalten können und ich bin bei dir zuversichtlich, das du es auch schaffst. Ich bin nicht nur ein ehemaliger spriti sondern auch ei co-abhängiger. Ich weiss auch wie schmerzhaft es ist,wenn einer in der familie süchtig ist und man nicht helfen kann.
Ich habe meiner tochter gesagt, das ich ihr dabei helfen würde, wohin sie sich wenden kann, aber was sie nicht wollte. Mir blieb nichts anderes übrig als loszulassen und mich dabei ertragen zu können. Es musste erst was passieren, bis sie hilfe annahm ohne bedingungen zu stellen. Sie geht jetzt in eine SHG und was sie dort macht ist ihre sache und nicht meine. Ich frage auch nicht wie es bei ihr läuft, denn möchte sie was von mir, so muss es freiwillig kommen. Ich habe damals meine frau mit im die SHG genommen, wo sie auch heute noch ist. Gehe auch du mal dorthin, denn es wird dir helfen und dich stärken in deinem selbstwert.

Es grüsst dich recht herzlich heinrich
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klaro hat zum Thema: Re: Herz vs. Kopf... geschrieben
Marjel
Gast






BeitragVerfasst am: 21.01.2008, 18:49    Titel: Re: Herz vs. Kopf... Antworten mit Zitat Beitrag dem Moderator/Admin melden

Hallo Butterboehnchen,

um es vorweg zu nehmen, nein, die räumliche trennung hat nichts geändert. Ich habe es auch nicht erwartet, da er nicht der Meinung ist krank zu sein.

Ich hatte einmal ein Ultimatum gestellt. Da hat er ohne Hilfe aufgehöhrt. Er hat es für etwa 3 Monate geschafft und dann wieder angefangen, zunächst heimlich, dann wieder offen.

Ich habe mich auch nicht getrennt damit er es schafft, sondern, weil ich einfach nicht mehr weiter machen konnte.

Ich halte nicht viel von den vielen Ratschlägen die hier gegeben werden. Letztlich muß man ganz für sich entscheiden. Du wirst schon merken, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Ich mußte genau wie ein Alkoholiker auch erst meinen ganz persönlichen Tiefpunkt erreichen.

Andere mögen es für einen Fehler halten, den Partner nicht sofort zu verlassen. Vielleicht hält man es selbst später auch für einen Fehler. Aber jeder Mensch hat das Recht so viele Fehler zu machen, wie er braucht.

Ich war nicht konsequent, das mag ich nun für einen Fehler halten. Aber ich war vorher noch nicht so weit, also mußte es wohl sein. Allerdings ist es dadurch auf jeden Fall schwerer geworden zu gehen und unmöglich geworden, dass er mich ernst nimmt. Er ruft ständig an und schüttet mich mit e-mails zu.

Aber inzwischen bin ich konsequent. Ich habe einmal klargestellt, dass ich seinen Kontakt nicht mehr erwidern kann, weil es mir damit jedes mal wieder schlecht geht und ich keine Kraft mehr für die immer gleichen Diskussionen habe. Seitdem gehe ich nicht mehr ans Telefon, beantworte keine der vielen e-mails mehr und stehe zu meinem Wort. Seit einer guten Woche fällt es mir nicht mehr schwer.

Gruß Marjel
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Marjel hat zum Thema: Re: Herz vs. Kopf... geschrieben

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