Entwicklung der Nüchternheit
Menschen, die Hilfe wegen einer möglichen
Alkoholerkrankung suchen, brauchen wir für den
Anfang oft sehr schnelle
Entwicklungen, also Erfolge, die ihnen zeigen, dass sie auf dem richtigen Weg sind und es sich für sich irgendwie lohnt, dass sie ein
Leben ohne Alkohol führen.
Gerade am Anfang ist die Euphorie oft sehr ausgeprägt und sie reden über nichts anderes mehr, als ihr nüchternes Leben. Diese Euphorie kann aber auch schaden, da es nach einiger Zeit zu Überlegungen kommen kann, die auf
Verzichtsgedanken zum
Alkohol beruhen.
Ist der körperliche Alkoholentzug vorüber, also der Drang nach Alkohol erst mal nicht mehr gegeben, hat man den Freunden und Bekannten von seinem
Ziel der Abstinenz erzählt, die normalen Dinge des täglichen Lebens wieder geordnet, komm es scheinbar zu einem Stillstand der
Entwicklung auf dem Weg zur Nüchternheit, weil augenscheinlich keine gravierenden
Veränderungen mehr geschehen.
Nun beginnt sich das Gedankenkarussell verstärkt zu drehen. Es wird zwischen dem Leben während des Alkoholkonsums und der Nüchternheit abgewogen. Je nach
Entwicklung und Ausprägung des persönlichen
Tiefpunktes, kann es sehr schnell umschlagen, dass doch alles gar nicht so schlimm war. Oft ist am Anfang der Nüchternheit eine Leere entstanden, was Freunde und Bekannte, manchmal auch die Familie betrifft, es ist eine soziale
Isolation entstanden, weil man natürlich noch kein
alkoholfreies Umfeld aufbauen konnte, keine neuen
Freizeitinteressen gefunden hat.
Das Abwägen wird nun gravierender und entsteht der sogenannte Saufdruck, weil man nicht wirklich etwas mit sich anzufangen weiß.
Ein sehr wichtiger Punkt dabei ist, dass sich jeder selbst im Klaren darüber sein muss, dass jeder erneute Alkoholkonsum wieder dort hin zurückführen wird, wo man sich entschieden hat, ein nüchternes Leben zu erlernen.
Kann man sich daran erinnern, also vergisst man nie, wo man gewesen ist, wird man immer wieder erkennen, dass sich das neue Leben ohne Alkohol lohnt.
Menschen haben oft die Eigenschaft, die schlechten Dinge in ihrer
Vergangenheit zu vergessen beziehungsweise zu verdrängen und nur noch das irgendwie Schöne in der Vergangenheit zu sehen. Durch den
Erfahrungsaustausch mit anderen Alkoholikern, wo neue Hilfesuchende uns immer wieder zeigen, wo wir mal waren, können wir immer wieder auf das Neue an unseren persönlichen Tiefpunkt erinnert werden.
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